Schäfer_2018

Deutsch-Französische Gesellschaft Paderborn

Société franco-allemande de Paderborn

Paris – ein Fest fürs Leben!

 

Unter diesem Motto veranstaltete die DFG eine „literarische Reise nach Paris“. Stephan Schäfers gekonnt vorgetragene Reiseberichte ließen die Zuhörer/innen im Geiste nach Paris ins Quartier Latin, auf den Montmartre, aber auch in die Abgründe von Paris reisen.

 

Stephan Schäfers las Texte, die zwischen 1920 und 1930 von namhaften Schriftstellern verfasst wurden. Für sie galt Paris als „geistige Heimat“. Außer Kästner lebten alle eine Zeitlang in Paris.

 

Erich Kästner war „nur“ Tourist in Paris. In den 20er Jahren reiste er viel. Eine seiner sorgfältig geplanten Reisen führte ihn 1928 nach Paris.

 

Auch George Orwell kam 1928 noch unter seinem richtigen Namen Eric Blair nach Paris. Klassisch begann er im Nobelhotel ‚Lotti‘ als Tellerwäscher. Schäfer warnte: Seine Texte gingen „nah“, so dass man sich „manchmal sogar die Nase zuhalten muss“. Thema von Orwells Texten ist die Armut und sie zeigen das Leben in den damaligen Slums von Paris auf.

 

Ernest Hemingway lebte in den 20er Jahren in Paris. Nach Aufenthalten in Florida und auf Kuba kehrte er 1956 zurück nach Paris, ließ sich aus dem Keller des Hotel ‚Ritz‘ seinen Koffer mit Aufzeichnungen aus der damaligen Zeit geben und schrieb seinen Roman „Paris – ein Fest fürs Leben“.

 

Djuna Barnes, 1892 in den USA geboren und dort als Journalistin und Schriftstellerin arbeitend, kam 1919 nach Paris und bewegte sich dort in den intellektuellen, lesbischen Kreisen. Sie führte Liebesbeziehungen mit Männern und Frauen, u.a. mit Peggy Guggenheim. Nach 20 Jahren Paris kehrte sie nach New York zurück, wo sie verarmt 1982 starb.

 

Die Texte von Joseph Roth führen die Zuhörer/innen in die Abgründe der Metropole. 1925 kam er nach Paris und lebte 10 Jahre lang im Hotel. Trotz seiner Berühmtheit litt er stets unter Geldsorgen. Sein bester Freund war der Nachtportier des Hotels. 1937 wurde das Hotel abgerissen, was für den Schriftsteller den Verlust seiner Heimat bedeutete – immer wieder Thema seiner Texte. 1939 starb er im Alkohol-Delirium an einer Lungenentzündung.

 

Zum Schluss kam auch ein gebürtiger Franzose zu Wort: Julien Green. 1900 in Paris als Sohn angelsächsischer Eltern geboren wuchs er zweisprachig auf. Er konvertierte als junger Mensch zum Katholizismus. Julien Green bezeichnete Paris als „schönste Stadt der Welt“. Mit 84 Jahren schrieb er ein Buch über seine Heimat, in dem er in 19 Kapiteln durch „sein“ Paris flaniert. Seiner Ansicht nach gebe es „viele Parise“ mit vielfältigen Facetten. Um die Seele einer Stadt zu begreifen brauche man v.a. Zeit, denn man müsse sich in ihr gelangweilt haben. Jeder habe „sein Paris in sich“.