Suzanne Bohn 2019

Deutsch-Französische Gesellschaft Paderborn

Société franco-allemande de Paderborn

Vom Feminismus, Sexismus und Emanzipation in Frankreich

Blick auf ein bestimmtes Frankreich

Ein Vortrag von Suzanne Bohn


Vor gar nicht so langer Zeit enthüllte die Affäre Dominique Strauß-Kahn eine besondere Ausrichtung der französischen Gesellschaft, was das sexuelle Gebaren und die sexuelle Toleranz der Franzosen (und natürlich der Französinnen) angeht.
Schon Madame de Stael konstatierte nach ihrem ersten Aufenthalt bei den Germanen, zu Beginn des 19. Jahrhunderts: „Frivolität ohne französische Grazie ist etwas ganz Unerträgliches“. Und fügte hinzu - ob beruhigend oder vernichtend für die Betroffenen?-: „Die Deutschen sind ihrer Natur nach nicht frivol“.

Dieses in Frankreich seit der Minnezeit existierende, stillschweigende Abkommen zwischen den Geschlechtern, welches sich zu einer nationalen Spezialität auswuchs, - nämlich die hohe Kunst der Erotik, der Verführung und der Libertinage - musste zwangsläufig seine Spuren in einer der ganz großen gesellschaftlichen Bewegungen des 19. und des 20. Jahrhunderts – dem Feminismus- hinterlassen. Es gibt tatsächlich einen französischen Feminismus, welcher sich von dem angelsächsischen unterscheidet und der sich anhand der (großen) Niederlagen und (kleinen) Erfolge der französischen „Emanzen“ (Nachfolgerinnen der ebenso berühmt- berüchtigten „Blaustrümpfe“), ablesen lässt: Die Französinnen sind fast immer die letzten Europäerinnen in der Liste der feministischen Errungenschaften.

Frankreich, ein Land, in dem die Frauen ihren Männern näher stehen als ihren Geschlechtsgenossinnen. Frankreich, ein Land, das Feministen vorweist, d.h. Männer, die sich stärker für die Belange und die Rechte der Frauen engagieren als die Frauen selbst. Frankreich, ein Land, das im Ausland als die Wiege der Liebe zu dritt („French triangle“) wahrgenommen wird. Frankreich, ein Land, in dem eine Leitfigur des Feminismus des 20. Jahrhunderts, nämlich Simone de Beauvoir, nicht als „Feministin“ („ein schmutziges Wort“) gelten wollte. Frankreich, ein Land in dem die allererste Frauenministerin (Françoise Giroud), sich 1974 als bekennende Nicht -Feministin outen konnte. Jedes Klischee enthüllt den Kern einer Sache.

Die gebürtige Französin Suzanne Bohn mit Wahlheimat Hessen ist Literaturübersetzerin und war lange Jahre als freie Mitarbeiterin im Kulturbereich bei hessischen Zeitungen. Seit 30 Jahren inzwischen ist sie spezialisiert auf die Portraitierung berühmter Franzosen und Französinnen und bundesweit als Vortragskünstlerin unterwegs. Sie beleuchtete in ihrem Vortrag über den französischen Feminismus gewisse interessante Besonderheiten der französischen Gesellschaft und unternahm dabei einen historischen Exkurs durch die Geschichte des Feminismus und der Emanzipation von den Ursprüngen bis zur heutigen Zeit. Sie präsentierte im Kolpingforum einen informativen und unterhaltsamen Vortrag, eine amüsante Begegnung mit einem nicht immer bekannten Aspekt Frankreichs, vielleicht sogar ein Ratgeber im Umgang mit Art und Lebensart einer besonderen Spezies der Gattung Mensch: der Franzosen.